Joachim Schroetter - Autor!
Eine Hommage an meine Mutter und zugleich an alle Mütter der Welt. Geschichten und Gedanken. Gestern und Heute.
Das Buch soll alle Danziger, Heimatvertriebene und alle Mütter ansprechen. Es schildert ein Frauenschicksal und zeugt von tiefer, aufopferungsvoller Mutterliebe. Ich hätte das 'Heute' nicht erlebt, wenn meine Mutter nicht gewesen wäre. Der Untergang der Wilhelm Gustloff, der verheerende Krieg, Hunger und Not, ist für mich 'Gestern' geworden. Deshalb kann ich meine Geschichten von 'Heute', wie beispielsweise über Massentierhaltung und Stammzellenforschung, meiner verstorbenen Mutter widmen. Ich habe drei Textauszüge der Kapitel "Der Brief", "Otterndorf" und die erste reale Reise nach Danzig ausgewählt.
"Es waren vier! Sie zerrten mich an den Haaren in den Keller und
warfen mich zu Boden. Sie hatten Schlitzaugen, schmutzige Uniformen und
stanken nach Tabak und Knoblauch. Die wilden Bestien rissen mir die Kleider
vom Leib. Zwei hielten mich fest, einer onanierte und der andere drang
in mich ein. Wenn der eine fertig war, stürzte sich der nächste
auf mich. Einer biss mir so stark in die Brustwarzen, dass ihm mein Blut
ins Gesicht spritzte. Sie grölten und soffen Wodka."
"Ich ließ angeekelt alles mit mir geschehen, denn ich hatte Angst,
sie würden sich an Maria vergreifen, sie war doch erst elf."
"Nachdem sich die Schweine abreagiert hatten, pinkelten sie mich an
und gossen eine Flasche Wodka über meinen Körper. Einer versuchte,
anzuzünden, doch zum Glück fing der Alkohol kein Feuer."
Nach einigen Stunden Fahrt konnten wir vor uns eine Stadt erkennen
- Otterndorf? Wie sahen eine freundlich wirkende, adrette, kleine Stadt
mit einer großen
Kirche und bunten Häusern darum. Der friedliche Anblick vermittelte
den Eindruck, als wenn der Krieg nicht stattgefunden hätte.
War alles nur ein böser Traum gewesen? Wir konnten keine Zerstörungen
feststellen.
Keine Not, kein Elend, ein Hort des Friedens.
Am nächsten Tag, das Wetter war schön, gingen wir nach
Glettkau am Strand nach Zoppot-Mole und fuhren mit dem Schiff nach Danzig.
Ich
kaufte mir eine kleine Kogge aus Bernstein, die hier überall feilgeboten
werde. Bei Pellowski, gegenüber dem Rathaus, tranken wir eine Tasse
Kaffee und probierten den leckeren Kuchen. Das bunte, dynamische Treiben
in der Langgasse faszinierte mich. Einfach schön!
Die Menschen waren sehr hilfsbereit und aufgeschlossen. Insbesondere muss
ich auch das Bemühen der Polen anerkennen, Danzig seinen alten Glanz
zurückzugeben.
Als wir nach Gotenhafen kamen wurden wir still und erinnerten uns an den
Winter 1945. Unbeschreibliche Dramen haben sich damals hier abgespielt.
Danach fuhren wir mit der Straßenbahn nach Oliva. Vater nahm uns
damals zum Konzert mit. Die Antoniuskirche in Brösen, die Stammkirche,
meiner Eltern und Großeltern, hatte den Krieg erstaunlich gut überstanden.
Ich möchte im nächsten Jahr wieder nach Danzig reisen, schade
dass meine Eltern, nicht mehr dabei sein können und wünsche mir,
dass es nie mehr zu einem Krieg, zwischen unseren beiden Völkern kommen
möge.